Tierbrett

Tierbrett

Indem ein aufgenommenes Kind weiterhin loyal zu seiner Herkunft steht, gerät es unweigerlich in starke Loyalitätskonflikte. Obwohl dies fachlich als Fähigkeit zu Loyalität zu bewerten ist, erscheint dies für die eigenen Kinder teils als illoyal und Missachtung ihrer Familie.

Die in der Kernfamilie klaren Interdependenzen verändern sich, d.h. Geben und Nehmen als gegenseitiger Kontrakt der Familie ist in gewohnter Form nicht mehr in Kraft weil die psychsoziale Disposition der aufgenommenen Kinder dies nicht zulässt. Insbesondere für die eigenen Kinder stellt dies die gewohnte Gerechtigkeit in Frage.

Diese Phänomene führen nicht nur innerfamiliär zu Irritationen, Verwirrungen und Konflikten, sondern entsprechen in ihrem Erscheinungsbild nicht immer den von außen herangetragenen Erwartungen gleicher Beziehungsqualitäten und erzieherischer Verhaltensweisen Vor allem aber sollte durch gezielte Prüfung der aktuellen Loyalitäten ein Schuldenaufbau gegenüber den eigenen Kindern vermieden werden.

Rolle und Funktion

Auf der einen Seite erfüllt die Fachfamilie einen klar umrissenen Auftrag unter professionellen Bedingungen, andererseits soll sie weiter Familie sein, mit dem Anspruch alle Kinder gleich zu behandeln, ihnen gerecht zu werden.

Ähnlichen Fallen ausgesetzt sind die Facheltern, die einerseits aufgenommenen Kindern Vater und Mutter sein sollen, andererseits mit den Problemen konfrontiert sind, dss Zuneigung nicht angeordnet werden kann, diese Kinder meist Vater und Mutter haben und den eigenen Kindern glaubhaft vermittelt werden muss, dass sie noch immer dieselbe Bedeutung haben.

Durch an die Facheltern adressierte Übertragungen, Projektionen und offen oder auch versteckt präsentierte Affekte der aufgenommenen Kinder wird das Selbstverständnis der Facheltern arg strapaziert, denn sie haben stellvertretend für die Herkunftseltern auszuhalten und zu bearbeiten.

Für die eigenen Kinder erscheint dies äußerst irritierend, denn ihrem Verständnis folgend haben ihre Eltern das nicht verdient. Der professionelle Hinweis, dies nicht persönlich zu nehmen, ist ihnen nur ein schwacher Trost.

Solche Fallen machen das Leben schwer und erfordern beständige Reflexion um das Diffuse wieder zu klären und Handlungskonzepte zu entwickeln, denn nur wer sich hat, kann sich geben.

Ethik der Familie

Die bis dahin normative und geregelte Ethik der Familie wird durch das Zusammenleben mit einem von außen kommenden, weitgehend fremden Subsystem konfrontiert.

Verhalten, Umgangsformen, Sprache, Werte und Normen der aufgenommenen Kinder stehen mehr oder weniger defizitär oder auch konträr dem umgebenden System gegenüber.

Die aufgenommenen Kinder vertreten im Grunde genommen oft das, was gute Eltern ihren Kindern als nicht wünschenswert beigebracht haben. Diesbezüglich stehen die leiblichen Kinder vor dem Dilemma weiter einer Familienethik zu folgen, die innerhalb des Systems vorerst keine umfassende Wirkung mehr zeigt.