Tierbrett

Tierbrett

Der Schritt von Familie zu Einrichtung bedingt zusätzlich eine Erweiterung der Öffnung nach außen durch: Mitarbeiter; Leitung; Beratung; Supervision; Jugendämter; QM; Herkunftsfamilien.

Auch diese Veränderung wirkt sich auf die Familienidentität aus. Eine Bewältigung dieser Prozesse ist für die Erwachsenen einfacher als für die Kinder, da die Erwachsenen die Ziele nicht nur maßgeblich definieren, sondern diesen Weg anders gehen, nämlich vorbereitet, fachlich und distanziert.

Von großer Bedeutung für die integrativen Bemühungen ist es deshalb einen stabilen Orientierungsrahmen zu schaffen, der die familialen Grenzen sichert und damit auch weitgehend die bisherige familiale Identität. Gleichzeitig müssen aber auch ausreichend Entwicklungsmöglichkeiten offen gelassen werden um die angestrebten pädagogischen Zielsetzungen zu erreichen. Dieser Spagat erfordert ein neues Bewußtsein für die familialen Grenzen, da diese gewöhnlich selbstverständlich wahrgenommen und selten in Frage gestellt werden. Wichtig ist dabei eine enge und kontinuierliche Reflexion, aus der entsprechende systemstabilisierende Nähe und Distanzregulationen abzuleiten sind.

Interdisziplinär sollte ein fachliches Niveau hergestellt werden, dass es ermöglicht Parentifizierung, Distanzlosigkeit, Triangulierung oder Sexualisierung frühzeitig zu erkennen und einen adäquaten Umgang damit zu entwickeln. Geschieht dies nicht, sind starke Irritationen und Verwirrungen bis an den Rande der Belastbarkeit die Folge. Dabei geschieht es auch, dass die eigenen Kinder versuchen die Eltern zu entlasten und Erwachsenenaufgaben zu übernehmen, was sie schnell zu Therapeuten ohne Zulassung werden läßt.

Hierarchie

Wie in anderen soz. Systemen auch gibt die Ursprungsordnung vor, daß der Rang eines Systemmitglieds umso höher ist je länger es diesem System angehört. Folglich haben Eltern Vorrang vor den Kindern und die ersten Kinder vor den nachkommenden. Indem die aufgenommenen Kinder ihr altes Sytemverständnis mitbringen, gerät mitunter die Hierarchie der Kinderebene ins Wanken. Gerade bei solchen Konflikten wird die gewachsene Kind-Elternbindung von den eigenen Kindern in Frage gestellt, und damit auch die Liebe der Eltern zu ihnen. Ein Zwiespalt, dem die Eltern oft nicht gerecht werden können.

Loyalitäten

Loyalitäten bilden den zuverlässigen Rahmen des herrschenden Lebensstils einer Familie. Loyalität ist Treue zu den familialen Werten und wird durch ein gerechtes Austarieren von Geben und Nehmen belohnt. Ebenso wie Grenzen zielen Loyalitäten in Familien so darauf ab ein Gleichgewicht innerhalb der Familie zu bewahren. Dies geschieht durch wechselseitige Rücksichtnahme, Gerechtigkeit und Fairness. Loyalität weist grundsätzlich auf Bindungsfähigkeit und Gewissenhaftigkeit hin, und damit auf den Wunsch eine Familie zu stabilisieren.

In gut entwickelten Familien besteht ein weitreichender Konsens hinsichtlich Loyalitäten. Die Entwicklung zur Fachfamilie bringt meist unterschiedlich starke Loyalitätskonflikte in die Familie: die neuen Loyalitätsverhältnisse unterscheiden sich von den alten. Neben den bisherigen, absolut gesicherten und gewachsenen Loyalitäten stehen nun auch minder starke und anders begründete Loyalitäten: Facheltern – aufgenommene Kinder sowie eigene Kinder -aufgenommene Kinder (auch umgekehrt).