Familienbrett

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Tierbrett

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Ich möchte Ihnen nun eine Familie vorstellen, mit der ich lange in Zusammenarbeit war. Dieser Fall liegt schon einige Jahre zurück, hat mich nachhaltig beeindruckt, und nicht unwesentlich zu meinem jetzigen Verständnis systemisch-therapeutischer Hilfen beigetragen hat.Genogramm Vortrag Es handelte sich um eine alleinerziehende Mutter, Frau D., mit sechs Kindern. Über den damaligen Verbleib der zwei Väter konnten keine Aussagen gemacht werden.

Akuter Anlass der Anfrage war der überraschende Wohnungsauszug der ältesten Tochter Anika (14) zu ihrer Tante. Anika weigerte sich, zurück nach Hause zu gehen. Gegen ihre Mutter erhob sie die Vorwürfe, dass diese erzieherisch Gewalt ausübe und Drogen nähme. Aus Sicht des Jugendamtes gab es keine Einwände gegen einen Verbleib Anikas bei ihrer Tante. Es bestanden jedoch Befürchtungen, dass die bisherige familiale Situation weiter krisenhaft eskalieren könne und insbesondere Pascale (12), der älteste Sohn, als erster davon betroffen sein könnte. Pascale war erst seit kurzem wieder zuhause, er war zwei Monate in stationärer Kinder-Jugendhilfe untergebracht gewesen, nachdem Frau D. das Jugendamt um erzieherische Hilfe gebeten hatte. Pascale zeigte ein auffälliges Verhalten, hielt sich nicht an Abmachungen, verlor schnell seine Beherrschung und neigte dann zu Gewalt; sein Verhalten in der Schule wurde als „untragbar“ beschrieben. Es war das erste Mal, dass Frau D. das Jugendamt um Hilfe bat.

Frau D. wurde als regelrechte „Löwenmutter“ beschrieben, die um ihre Kinder kämpfe und motiviert sei. Sie sei kooperativ und zugänglich. „Eine Therapie würde ihr gut tun“ so Frau C. vom Jugendamt Es wurde ein gemeinsames Erstgespräch mit Frau D. in deren Wohnung verabredet.

Dieses Erstgespräch erwies sich in vielerlei Hinsicht als aufschlussreich.

Ich traf als erster bei Frau D. ein und stellte mich vor. Frau D. war über mein Kommen informiert worden, erschien aber dennoch verwundert und ließ mich ein.

Die Mutter zeigte sich gleich sehr erregt und insbesondere dem Jugendamt gegenüber wütend. Ihre Erregung hinderte sie daran, sich zu setzen, so dass sie unentwegt herumlief und ihre Enttäuschung herausschrie. Sie war über den Entschluss ihrer Tochter enttäuscht, aber auch über die Vorgehensweise des Jugendamts, das ihr nicht uneingeschränkt Recht gab und Anika nach Hause orderte, sondern Anikas Entscheidung mittrug. Sie fühlte sich ebenso durch ihre Eltern und Geschwister verraten und ihrer Rechte als Mutter beraubt. Ihre Eltern hatten gegenüber dem Jugendamt Anikas Entscheidung unterstützt. Quasi im Rundumschlag erzählte sie mir das, bis sie bemerkte, dass Frau C. bereits 10 Min. in Verspätung lag; dies lenkte ihre Wut wieder auf Frau C., wobei sie mir dann mitteilte, dass zu diesem Treffen auch die Leiterin der Tagesstätte geladen sei, die Pascale nach der Schule besuchte, wovon ich nichts wusste.

Beide erschienen dann. Frau C. wurde sofort von Frau D. verbal attackiert, wobei sich Frau D.´s Erregung beständig steigerte, so dass sie ihre Bewegungen auf die gesamte Wohnung ausdehnte, mal aus der Küche sprach, mal aus dem Flur. Alle Versuche, Frau D. in irgendeiner Weise zu beruhigen, bewirkten wenig.