Familienbrett

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Tierbrett

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Wir arbeiten also mit sehr unterschiedlichen Familiensystemen zusammen, die sich zumeist in prekären Lagen befinden und teils langfristig hohem Stress unterliegen. Die Problemidentifikation wird durch die Jugendämter vorgenommen, Anfragen an uns erfolgen also bereits mit Markierungen und eventuell mit Interpretationen versehen. Darüber hinaus haben oft auch andere Systeme wie: Schulen, Kindergärten Erkenntnisse und Erfahrungen mit der jeweiligen Familie, ggf. Kindeswohlgefährdung gemeldet. Zudem haben viele Familien bereits unterschiedliche Hilfeerfahrungen, wollen teils keine Hilfe, und nehmen uns so anfänglich auch“ in einem gewissen Licht“ wahr.

Die besondere Komplexität in diesem Bereich ist also gegeben dadurch, dass der Blick und die Aufgaben sich zumeist auf alle Familienmitglieder erstrecken, das Wohl der Kinder wesentlich von der psychosozialen Disposition der Eltern und deren Fürsorgekompetenz abhängig ist, und rund um die Familie weitere soziale Institutionen mitwirken und auch bestimmen.

Schon der Beginn einer solchen Kooperation ist von hoher Bedeutung und dementsprechend fachlich anspruchsvoll. Ohne einen gelingenden Beginn können die meist schon vorweg formulierten Ziele nicht auf den Weg der Verwirklichung gebracht werden. Vielfach ist der Beginn gekennzeichnet durch den Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, was unweigerlich Unsicherheiten und Ängste der Klienten mit sich bringt. Manchmal hat wiederkehrende Gewaltausübung durch Erwachsene dazu geführt, dass das Jugendamt eingeschaltet wurde. Auch in solchen Fällen wird die Hilfe von außen an die Familie herangetragen.

Vielfach aber wünschen Eltern professionelle Hilfe, da sie sich mit den Entwicklungsauffälligkeiten ihrer Kinder überfordert erleben, z.B. wenn Jugendliche häusliche Gewalt ausüben.

Manchmal werden wir eingesetzt in Fällen, in denen vorherige Hilfen waren: andere Träger, Erziehungsberatung, Kliniken.

Voraussetzungen für den Beginn einer Hilfe sind:

  •  Entscheidung der Klienten zur Kooperation
  • Zielvereinbarungen
  • Vereinbarung gegenseitiger Transparenz

Die Kontakt- und Beziehungsgestaltung im aufsuchenden Kontext weist natürlich Besonderheiten auf und erfordert auf Grund dessen besondere Beachtung. Grundsätzlich haben wir die Erfahrung gemacht, dass eine hohe Akzeptanz der Hausbesuche besteht.

„In-die-Familie-gehen” stellt die „Komm”-Struktur psychosozialer Dienstleistungen auf den Kopf und möglicherweise auch infrage. Eine ausschließliche Anwendung dieser „Komm”-Struktur wäre in unserem Arbeitsbereich eine Form der Begrenzung, die gerade die Familien und Kinder ausschließen würde, die besondere Hilfen auf Grund ihrer Lebenssituation benötigen.

Andererseits bleibt die Frage, ob Hausbesuche in jedem Fall und immer das optimale Setting sind. Das Judenau-Team weist z.B. darauf hin, dass „Hausbesuche bei Familien, bei denen Gewalt- und Missbrauchsthemen „im Raum“ (!) hängen“, eher „missglücken“ .“ (Judenau-Team 1997).

Gehe ich bei meiner Arbeit von der prinzipiellen Gleichberechtigung aller Beteiligten aus (HARGENS 1993a), dann sollte auch der „Ort der Begegnung” zur „gleich berechtigten” Wahl stehen, weshalb wir beides anbieten.

Im Gegensatz zum Gebrauch der eigenen Räumlichkeiten für hilfreiche Gespräche, erfordern die Gespräche in einer Familie immer wieder eine Neu-Orientierung, wir treten in die Privatsphäre anderer Menschen ein, lassen uns auf Unbekanntes ein und stellen zuerst Rahmenbedingungen her, die allen –auch uns – mehr Orientierung und Sicherheit vermitteln. Dies beginnt mit der Wahl des Gesprächsraums: Küche, Wohnzimmer, der Bestuhlung, wer welchen Platz einnimmt, manchmal ist nicht ausreichendes Mobiliar vorhanden, was eine weitere Zielergänzung wäre, wer nimmt teil, Vereinbarung regelmäßiger Termine für Gespräche, und – wenn notwendig für andere – Hilfen. Das gehört zum Anfang – und natürlich eine umfassende Würdigung der Bereitschaft der Familie uns in ihre Räume zu lassen. Kommend oder aufsuchend nehmen wir die familiären Lebenswelten direkt wahr, bewegen uns im familiären Alltag, beobachten familiale Interaktion. Dies alles ist aufschlussreich und bedarf begleitender Reflexion im kollegialen Rahmen, um mit der Mutter, den Eltern oder der Familie in einen Prozessverlauf zu gelangen, der es zunehmend ermöglicht ihre eigenen Kräfte und Ressourcen intra- und extrafamilial so zu entwickeln, dass sie nicht nur imaginativ sondern auch erlebbar zufriedener und problemfreier leben können und ihre Lebenssituation in ihrem ökosystemischen Kontext so zu verändern verstehen, dass sie selbständig Sicherheit erlangen.