Familienbrett

Familienbrett

Tierbrett

Tierbrett

Kämpferisch drückt dies J. Herwig-Lempp aus:

„Das (therapeutische) Reden muss ergänzt werden durch das problemlösende Tun. Dieses problemlösende Tun umfasst die ganze bunte Palette sozialarbeiterischer Interventionen: von der Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen oder beim Schreiben eines Briefes bis hin zum Case-Management, bei dem vorhandene Hilfen erschlossen, koordiniert und für die Klientin nutzbar gemacht werden.

Therapie in unserem Bereich, also vorwiegend mit Menschen in prekären Lebenslagen, muss in der Lage sein, „Problemlösungen auf dem praktischen Niveau“ zu kombinieren mit therapeutischer Hilfe auf „innerpsychischer Ebene“.

Das heißt: „Die Alltags- und Lebenswelt markiert den Unterschied zu im engeren Sinne therapeutischen Hilfen. Wie schon gesagt, gerade bei unseren Familien erweist sich dies als beziehungsförderlich, wir gehen oft erst nebeneinander – bevor wir zur Sitzung kommen.

Die hohe Bedeutung des Beziehungsgeschehens ist eindrucksvoll durch die psychotherapeutische Wirksamkeitsforschung belegt.

K. Grawe, in: Hans Lieb „Systemkompetenz meets Störungskompetenz“, systhema 2/2007, Seite 187-202

Hans Lieb schreibt dazu: Nach Durchsicht der neueren Psychotherapieforschung kristallisieren sich m.E. vor allem zwei Ergebnisse heraus, zwei Faktoren, die sich immer wieder als wirksam hinsichtlich einer erfolgreichen Psychotherapie erweisen und sowohl von Grawe u.a. (1994) als auch von Tschuschke & Czogalik (1990) als auch von Meyer (1990) akzeptiert werden:

1. Die Relevanz schulenspezifischer Methodik und Theorie für den Erfolg einer Therapie ist weit geringer als bisher angenommen.

2. Dagegen kann man von einer „nachgewiesenen Bedeutung des Beziehungsgeschehens in Theorie und Praxis” ausgehen (Grawe 1995).

Sowohl die Entwicklung der psychotherapeutischen Wirksamkeitsforschung als auch die der systemischen Theorie legen nahe, dass angemessene und wirksame Psychotherapie nicht so sehr auf der Anwendung spezifischer Theorie, Methodik und Technik beruht, sondern weit mehr auf der „Haltung” des Therapeuten.

Daneben weisen empirisch abgesicherte Befunde auf die Bedeutung der Ressourcenaktivierung hin. Fokussiert werden die Ressourcen, Möglichkeiten, Eigenarten, Fähigkeiten und Motivationen. Wichtige Ressourcen sind die zwischenmenschlichen Beziehungen des Patienten, dies schließt die neuen, während der Beratung entstehenden Beziehungen ein. Eine wichtige Rolle spielt, in welchem Ausmaß der Therapeut als einer der bedeutsamen Bezugspersonen als unterstützend, aufbauend und selbstwertstärkend erlebt wird. In der Praxis würde, so Grawe, die Ressourcenperspektive in den wenigsten Therapieprozessen eingenommen, da Therapeuten nur selten die Gelegenheit wahrnehmen würden, den „Patienten oder Familien oder Paare sich in seinen oder ihren positiven Seiten erleben zu lassen.“ (Grawe 1994, S. 2)

Diese von Grawe empirisch ermittelten Wirkfaktoren überschneiden sich wesentlich mit den Grundkonzepten der Sozialarbeit, die im Bereich der interpersonalen und sozialen Problembewältigung und der Ressourcenaktivierung liegen (vgl. Pascales 2004, Deloie 2011).