Familienbrett

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Tierbrett

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Dies bestätigt auch Angelika Grossmann (in: W. Rotthaus(Hrsg.) „Systemische Kinder-und Jugendlichenpsychotherapie“):

Das Verharren in alten Problem- und Lösungsmustern kennzeichnet oft die Ausgangslage der Therapie. Wir begegnen Familien in einer chronischen Krise, die immer wieder von der Auflösung des Familiensystems bedroht sind.

Und weiter:

Am häufigsten stoßen wir auf Familien, in denen die drohende Eskalation der bestehenden, problematischen Familiensituation durch die Diskussion über die Unterbringung eines Kindes vermieden werden kann. Die Eltern erkundigen sich dann häufiger nach Möglichkeiten der Unterbringung, setzen diese aber nur selten in die Tat um. Das Gefühl, etwas zu tun, um das Problemkind aus der Familie zu entfernen, führt zu einer vorübergehenden Beruhigung des Familiensystems. Doch nach kurzer Zeit der Entspannung kommen die eingangs genannten unbefriedigenden Lösungs- und Problemmuster wieder zum Tragen.“

Und weiter: „Veränderungen sind in diesen Familien nur in sehr kleinen und vorsichtigen Schritten möglich, was sich auf die Dauer des Therapiezeitraums auswirkt.

Zurück zu Familie D: Im weiteren Verlauf erfolgte eine deutliche Intensivierung der Gespräche – auf Grund des zunehmenden Vertrauens, dass sie zu mir fasste. Über ihre Herkunftsgeschichte, die Geschichte ihrer Familie und ihrer Bindung zu ihren Kindern gelang es ihr sukzessive, ein verändertes Verständnis ihrer selbst zu erlangen, das Verhalten ihrer Kinder nicht als feindliche Akte ihr gegenüber zu verstehen und anders auf sie zu zugehen.

Gemeinsam mit ihr führte ich Gespräche im Jugendamt, in der Schule, bei der ARGE, die jeweils gut vorbereitet wurden und in ihrem Erleben dann auch erfolgreich waren. Solches nahm sie dann auch selbst in die Hand.

Früh wurde ihre Schwester, bei der ihre Tochter lebte, mit einbezogen. Dies war letztlich versöhnlich, und ihre Schwester wurde wieder eine Ressource für die Familie.

Später konnte der Vater, Roland, mit einbezogen werden, was es ihr später ermöglichte mit der zurückgekehrten Tochter Anica Türkeiurlaub zu machen. Während dieser Zeit war ich Berater von Roland D.. Danach kehrte Anica zurück in die Familie.

In der dargelegten besonderen Konstruktion von Hilfe fand ich einen ersten Anfang, der den Weg zu weiterführenden Entwicklungen eröffnete, zuallererst zu allmählichen Einblicken in Frau B.s Gefühlswelt.

Jede Psychotherapie (wiederum im weitesten Sinn) muss primär bei den Affekten – und darunter, wie wir gesehen haben, besonders häufig bei der Angst – ansetzen. Änderungen des Denkens und Verhaltens ohne gleichzeitige Affektveränderungen sind nicht zu erwarten. Wenn die emotionale Grund-atmosphäre nicht „stimmt“, so nützen noch so sophistizierte medikamentöse, soziotherapeutische oder kognitionszentrierte Therapien wenig.“ (Luc Ciompi, „Die emotionalen Grundlagen des Denkens „, S.300).

Um die so beschriebene „sichere Basis“ herzustellen bedurfte es zunächst einer relativ langen Phase der Einstimmung und Abstimmung, der Beseitigung von Unstimmigkeit und Verstimmung, der Herstellung von Übereinstimmung und Zustimmung (vgl. ebd.) um individual – und systemdienliche Veränderungen zu etablieren. Dabei erwiesen sich bedeutsame Übergänge nicht immer dergestalt, wie Tom Levold es für gute Verläufe beschreibt: „ Je weicher und modulierter die Übergänge zwischen unterschiedlichen Qualitäten des „In-Beziehung-Seins“ sind, desto besser scheint die Prognose für eine positive Entwicklung von Beziehungen zu sein“ (ebd., S.47 ff. ).