Familienbrett

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Tierbrett

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Damit einhergehend zeigt Frau D. sehr deutlich ihre Skepsis gegenüber wirksamer Hilfe. Um sicher zu gehen sucht sie vertrauenswürdige Hilfe und besteht dann letztendlich auf ihrer eigenen Willensentscheidung, was darauf verweist, dass sie nicht leicht zu beeinflussen ist, was aber auch zeigt, wie unkonventionell Arbeitsbündnisse zustande kommen können, und vielleicht auch deswegen oft lange halten, wie in diesem Fall.

Ihre Unsicherheit verdeutlicht sie auch in den nächsten Gesprächen, zu denen sie immer wieder Bekannte einlädt „doch mal Beratung zu gucken“. Diesbezüglich zeigte sie jedoch bald Einsicht.

Schnell wurde auch deutlich, dass alle Kinder mit diesen Gesprächen überfordert waren. Zum einen stellten sie für Frau D. eine Einladung zur umfassenden Abwertung ihrer Kinder dar, zum anderen konnten die Kinder sich nur äußern, nachdem sie sich die nonverbale Genehmigung der Mutter einholten.

Im Grunde genommen erschienen alle Beteiligten überfordert, der Therapeut inbegriffen. Die Gespräche zusammen mit Frau D. und den Kindern brachten mich zunehmend in eine Lage, die der der Kinder ähnlich war. Diese Gespräche verliefen oft heikel, ich musste fürchten, unmittelbar einen wütenden Ausbruch oder Abbruch der Bereitschaft zu erleben.

Nach zwei Gesprächen, an denen die Kinder vorübergehend teilnahmen, beschloss ich gemeinsam mit Frau D., fortan Gespräche zu zweit zu führen. Dies machten wir dann noch 18 Monate lang.

In der ersten Phase erbrachten die Gespräche alleine mit Frau D. zwar eine Fülle an Informationen, gestalteten sich aber zunehmend als ein Kreisen um sich wiederholende Darstellungen der besonderen Lebensumstände und der damit verbundenen Probleme: ihr Leben unter den Anforderungen als alleinerziehende Mutter, die stete finanzielle Knappheit (Sozialhilfeniveau), nun noch verstärkt durch Anika´s Weggang, das Gefühl der Bevormundung durch das Jugendamt, vor allem aber das „verräterische“ Verhalten ihrer Eltern und Geschwister. So vermittelte sie mir das Bild einer von feindlichen Stellungen umgebenen Frau und Mutter, der die notwendigen Vorstellungen zur Überwindung dieses Zustands fehlten. In meiner Dokumentation benannte ich diese über Monate dauernde Phase: Die Klagezeit.

Dem folgte eine Phase, die man wohl auch depressiv nennen konnte, verbunden mit tiefen Ängsten, starken Rückzugstendenzen und belastend für die ganze Familie. Zu diesem Zeitpunkt begann eine Kollegin sich um die Kinder zu kümmern und die Familie zu entlasten.Phasenweise war es Frau D. nicht möglich das Wohnzimmer oder die Wohnung zu verlassen.

Die zunehmende Dynamik und qualitative Veränderung unserer Beziehung zeigte sich in diesen Gesprächen eindrucksvoll, doch war es nicht das von mir erwartete Ergebnis. Mein eigentliches Anliegen war es, Frau B. hin zu einer Handlungs-fähigkeit zu leiten, die sich stabilisierend auf das Familiensystem auswirken würde. Sie jedoch zeigte mir, dass hinter dieser vordergründigen Unfähigkeit entsprechend zu handeln, lähmende Ängste standen. So vermittelte sie mir Vorstellungen aus der Tiefe ihrer Psyche. Sie gewährte mir nach der Wut nun auch Einblicke in ihre dahinterliegenden –und sie weit stärker einschränkenden – Ängste. Damit wendete sich mein Blick vom Problemsystem hin zu einer annähernden Betrachtung ihres Lebensproblems.

In Fachliteratur fand ich eine- mir passend erscheinende – Beschreibung für diesen Fall bei Lynn Hoffman.