Familienbrett

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Tierbrett

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In Anerkenntnis der Tatsache, dass in dieser Zusammensetzung kein Gespräch entstehen konnte, verabschiedeten sich Frau C. und die Tagesstättenleiterin, erklärten mir aber noch, dass dieses Verhalten für Frau D. typisch sei, im Jugendamt sicherheitshalber immer ein weiterer Mitarbeiter an Gesprächen teilgenommen habe.

Nach kurzer Zeit setzte sich Frau D. und kam dann meiner Bitte, zu erzählen, was in den zurückliegenden Tagen passiert sei, entgegen. Anika sei ihr als Älteste in den letzten Jahren ein große Stütze gewesen. Sie wären eher Freundinnen und weniger Mutter-Tochter gewesen. Auf Anika konnte sie sich immer verlassen. In den letzten Monaten habe sich Anika aber immer stärker verändert, sie sei unzuverlässig geworden, fordernd und ihr Umgang sei für Frau D. besorgniserregend gewesen; Anika rauche, tränke Alkohol und hätte Beziehungen zu Jungen, die einen schlechten Einfluss auf sie hätten. Dies habe in den letzten Wochen zu immer heftigeren Auseinandersetzungen geführt. Schließlich sei Anika abgehauen, zwei Tage lang nicht zu finden gewesen und sei dann zur Polizei gegangen. Dort habe sie erklärt, dass sie nicht mehr nach Hause wolle, weil sie geschlagen werde und ihre Mutter Drogen nähme.

Mittendrin sprang Frau D. auf, lief in die Küche und sprach durchs Fenster mit jemandem draußen. Kurz darauf klingelte es und ein großer Mann mit wenig Zähnen im Mund kam herein, den Frau D. als „Ritchie“ vorstellte.

Ritchie wohnte mit seiner Familie im Nebenhaus. Seine Familie erhielt ebenfalls Familienberatung, was ihn für Frau D. scheinbar zum Experten machte. Er sollte mich begutachten und Frau D. dann einen Rat geben. Ritchie riet Frau D., doch seinen Familienberater zu nehmen. Damit war die Entscheidung gefallen, Frau D. bestand darauf, einen eigenen Familienberater zu haben. Ritchie konnte gehen.

Frau D. beschrieb ihre Erwartungen bezüglich meiner Beratertätigkeit: Sie mache sich große Sorgen um ihre Kinder, Pascale sei sehr auffällig, Vanessa sehr zurückgezogen, sie habe eine rege Phantasie – sie erfinde Freundinnen – und sie „ritze“; Sara bezeichnete sie als schwierigstes Kind, an das man nicht herankomme, und Tobias wäre quengelig und weinerlich, weil er Kontakt zu seinem Vater möchte, dieser aber nicht auffindbar sei. Sie befürchtete, dass sie ein Kind nach dem anderen so verlieren würde, wie sie es mit Anika jetzt erlebt habe. Sie erklärte ihre Bereitschaft, mit mir zusammen zu lernen, das familiäre Zusammenleben besser zu verstehen und so zu verändern, dass die Familie erhalten bleiben würde.

Wir vereinbarten, das nächste Gespräch alleine zu führen; danach sollte ich in weiteren Gesprächen die Kinder kennenlernen.

In der Zusammenfassung der bisherigen Eindrücke stellte sich der Fall an dieser Stelle wie folgt dar: Frau D.,. die bisher offensichtlich keine Erfahrung mit Hilfe „von außen“ gemacht hatte, betrachtete die angetretenen Helfer als Adressaten ihrer Wut. Daneben aber auch als zusätzliche Verunsicherung durch die erlebten ( siehe: Anika) und eventuell erweiterbaren Eingriffsmöglichkeiten von außen.

Die gesammelten Helfer erschienen nicht nur unkoordiniert, sondern auch tief beeindruckt von der hohen aggressiven Anspannung und den gezeigten Affekten von Frau D…