Familienbrett

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Tierbrett

Tierbrett

Nach einem Jahr wurde deutlich, dass die Familie so schnell nicht zurückziehen wollte. Daraufhin erhöhte der Träger seine Präsenz vor Ort durch Besuche von bis zu einer Woche. Dabei wurde deutlich: Ablehnung bis Mobbing durch die Töchter, hoher Anpassungsdruck durch die Pflegeeltern, dass Familiensystem erschien am Limit.

Da die deutsche Schule sich weigerte ihn weiter zu beschulen, meldeten die Pflegeeltern ihn ohne Absprache an einer spanischen Grundschule an. Dies stellte eine weitere massive Überforderung an Micha dar, der kaum spanisch sprach.

In Absprache mit Jugendamt und Vormünderin erfolgten weitere Gespräche mit der Familie und einvernehmlich verließ Micha die Familie.

Gründe:

Die weitere Entwicklung von Micha erschien deutlich gefährdet, diese Einschätzung wurde von den involvierten Fachkräften geteilt. Zwar erkannte auch die Pflegefamilie, dass die Entwicklung des Kindes in einem negativen Verlauf war, schrieb aber die Ursachen dafür wesentlich dem Kind zu und verhielt sich hinsichtlich der eigenen Anteile relativ uneinsichtig. Die deutlich notwendigen Veränderungen zum Wohle des Kindes wurden von ihnen abgelehnt: Rückzug nach Deutschland, angemessene Beschulung und Traumatherapie, enge Beratung und Begleitung der Familie.

  • Im Verlauf der Krisenintervention wurde also deutlich:
  • Problemeinsicht bestand bei allen Beteiligten
  •  eine Problemkongruenz war nicht herzustellen
  • Kooperation hinsichtlich hilfreicher Veränderungen war nicht möglich

Die Sichtweise der Pflegeeltern war unveränderbar limitiert auf ein spezifisches Ursache-Wirkungsverständnis. Dies verhinderte ein kongruentes Verständnis und gemeinsames Handeln

Problemeinsicht – Problemkongruenz – Kooperationsfähigkeit

Dies sind leitende Kriterien für eine Gefährdungseinschätzung im ambulanten Bereich der Kinder- Jugendhilfe, aber auch nützlich in anderen Bereichen

Darüber hinaus ist schlicht festzustellen, dass in einer konventionellen Familie in einer ähnlichen Situation keine Herausnahme erfolgt wäre.

Weiter zeigt sich hier: Familien sind keine Organisationen

Pflegefamilien sind eigenwillige und relativ autonome Systeme, sie sind schwerlich instruierbar und bleiben Familiensystem, auch wenn sie einer Organisation angebunden sind. Ihre Entwicklung und die Dauer ihres Bestands sind nur eingeschränkt vorhersehbar. Die Personen dieses Systems sind – im Gegensatz zu Organisationen – nicht austauschbar, ebenso wenig das von allen Familienmitgliedern verinnerlichte Bild der eigenen Familie.

Die Anforderungen an einen Pflegekinderdienst sind entsprechend:

  • Weit gefasstes und vertieftes Verständnis von Familie
  • Gute Schwingungsfähigkeit, d.h. Leitung, Kontrolle und Beratung unter Wahrung der familialen Autonomie und – gleichzeitig – der kindlichen Interessen.

Das folgende Beispiel verdeutlicht, dass neben dieser Grundkompetenz weitere Ressourcen notwendig sind, um besonderen Situationen gerecht zu werden.

Fallbeispiel: Andreas  (10 Jahre)

Auch Andreas erfuhr früh Verwahrlosung und massive Gewalt. Mit 3 Jahren kam er in eine Pflegefamilie, in der er seit 7 Jahren lebt. Die Pflegeeltern haben zwei Söhne, die altersmäßig einen deutlichen Abstand zu Andreas haben ( 19 und 21 Jahre ).