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Intensivpädagogische Wohngruppe für Jungen mit Traumafolgestörungen „Bullerbü“

Das geplante stationäre intensivpädagogische Angebot in der Wohngruppe „Bullerbü“  wird  5 Jungen mit Traumafolgestörungen ab einem Alter von 6 Jahren  ermöglichen, sich in einem geschützten und strukturierten Rahmen umfassend psychisch zu stabilisieren und durch gezielte individuelle Förderung festgestellte Entwicklungsdefizite aufzuarbeiten und somit das Vertrauen in die Umwelt und den Selbstwert zu erhöhen, beziehungsweise wieder herzustellen. Somit ist das Ziel, durch ein mittel- bis langfristig ausgerichtetes kongruentes geschlechtsspezifisches Beziehungs- und Erziehungsangebot sowie erzieherische Interventionen eine künftig kindgerechte Entwicklung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sicher zu stellen. Hierbei stellt das Wissen um Folgen von Traumatisierung, das Erkennen und die Bearbeitung der „Überlebensstrategien“ der Jungen das Fundament der pädagogischen Arbeit dar. Durch die Schaffung eines sicheren Ortes, an dem die Kinder sich angenommen und in ihrer Person wertgeschätzt fühlen, wird das Erlernen und Erleben alternativer Handlungsweisen ermöglicht. Durch geschlechtsspezifische Angebote wird die Auseinandersetzung mit der Rolle als Junge und heranwachsender Mann reflektiert und sich kritisch mit Geschlechterrollenbildern auseinandergesetzt.
Kinder mit Traumafolgestörungen benötigen besonders viel Anerkennung und Bestätigung und vor allem das Gefühl, ihre Umwelt aktiv zu gestalten und vorhersehen zu können, da diese oftmals ihre Umwelt in der Vergangenheit als willkürlich und wenig steuerbar erlebt haben. Aufgrund des Erlebens von Kontrollverlust in der Vergangenheit hat in der alltäglichen pädagogischen Arbeit die Verlässlichkeit der Umwelt und die Transparenz der Arbeit der PädagogInnen eine tragende Funktion.Bei einem Stellenschlüssel von 1:0,78 wird in den Kernzeiten in Doppelbesetzung gearbeitet, so dass Zeit für Beziehungsarbeit und individueller Förderung gegeben ist. Die Pädagogischen Fachkräfte der Gruppe werden fortlaufend traumapädagoisch fortgebildet.

Das Zusammenleben in der Wohngruppe orientiert sich am Zusammenleben in Familien und hat das Ziel, eine vertrauensvolle und wertschätzende Atmosphäre aufzubauen. Für die Kinder stellt die Gruppe für den Zeitpunkt der Unterbringung den Lebensmittelpunkt dar, was sich in der Gestaltung des Lebensalltages mit den Jungen in der Gruppe widerspiegelt. Jedes Kind verfügt über ein eigenes, helles Zimmer als Rückzugsmöglichkeit. Der freundlich gestaltete Wohnbereich mit Esszimmer, Wohnzimmer und Kuschelecke bietet den Lebensmittelpunkt des gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Die Räumlichkeiten des ambulanten Bereichs, wie Gruppen-, Entspannungs- und Werkraum stehen der Gruppe im Abendbereich und an Wochenenden zur Verfügung. Im Garten ist ausreichend Platz zum Fußball spielen oder andere sportlichen Aktiviäten vorhanden. Das Gebäude befindet sich in einer ruhigen Wohngegend.

Den Jungen wird durch die Pädagogen ein geschlechtsspezifisches Beziehungsangebot gemacht, welches durch Empathie und Authentizität einerseits, andererseits durch Verständnis und Geduld für die Eigenheiten eines jeden Jungen in der Gruppe geprägt ist. Hierbei werden die vorhandenen Ressourcen herausgearbeitet und gefördert, um eine Problemfokussierung zu verhindern. Besondere Verhaltensweisen der Kinder, die mitunter für die PädagogInnen und auch die Kinder belastend sein können, werden unter der Annahme eines „guten Grundes“, der das Verhalten vor dem Hintergrund der traumatischen Erlebnisse erklärbar macht, im Team analysiert. Diese Verhaltensweisen werden somit als „Überlebensstrategie“ gewürdigt und gleichzeitig werden mit dem Kind alternative Handlungsmöglichkeiten erarbeitet. Geschlechtsspezifische Interessen werden berücksichtigt und durch ein weitreichendes Angebot an Bewegungsmöglichkeiten und erlebnispädagogische Methoden (Klettern, Kooperationsspiele, Handwerken) befriedigt.

Des Weiteren wird -je nach Bedarf- durch ein enges Kooperationsangebot an die Eltern der Kontakt zum Kind in einem gesicherten Rahmen aufrechterhalten, sofern dies dem Kindeswohl dienlich ist. Eine Rückführung in die Herkunftsfamilie wird hierbei in fachlichem Austausch mit dem belegenden Jugendamt und beteiligten Fachleuten stets als optional betrachtet.

Die Gruppe wurde im Oktober 2017 eröffnet.