Familienbrett

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Berichtswesen

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Tierbrett

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Berichterstellung

Die Berichterstellung ist in unserem Verständnis im Prozessverlauf ein Abschnitt von hoher Bedeutung. Sie dient vor allem dem Selbstverständnis der KlientInnen, der prozessualen Reflexion der Mitarbeiter und der ausführlichen Information der fallführenden Jugendämter.

„Indem man das Berichteschreiben zu einem offenen, ritualisierenden Prozess in den psycho-sozialen Berufen macht, hat dies Implikationen für jene Fälle, in denen (1) Berichte über Individuen oder Familien aktenmäßig erfasst und (2) Menschen mit Etiketten versehen werden. Wird ein Dokument gemeinsam mit Klienten verfasst, wovon sie sich eine Kopie an einem sicheren Ort aufbewahren können, unterscheidet sich das grundsätzlich von dem schriftlichen Bericht des Therapeuten, den die Klienten niemals zu sehen bekommen, und an dem sie keinen Anteil haben“ ( J. Roberts, in: E. Imber-Black u.a. “Rituale”, S.349 ff.).

Muster, Aufträge und Geschichten, die wir aus unseren Ursprungsfamilien mitnehmen, beeinflussen uns oft ein ganzes Leben lang.  Dabei gehen wir davon aus, dass Menschen Bindungswesen sind, und ihre komplexen Bindungserfahrungen sowohl in der Gegenwart als auch in der Entwicklung  von hoher Bedeutung in der Gestaltung aktueller kognitiver, emotionaler und handlungsbezogener Strukturierungen sind ( vgl. (L. Eder, Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung, Nachts ist es kälter als draußen, S. 176 ).

„Eben dies aus dem Narrativ des Patienten gemeinsam mit ihm immer wieder herauszulesen – zum einen, um zu verstehen, was mit ihm ist, zum anderen um Lösungswege zu entwickeln – macht einen wesentlichen Aspekt psychotherapeutischer Arbeit aus“ (ebd.).

Die Arbeit am Bericht erleichtert es Geschichten anders zu erzählen, Kausalitäten neu zu sehen und den Schatz an Ressourcen zu entdecken. Die schriftliche Form gibt den KlientInnen ein Dokument, in dem dies abgebildet und immer wieder nachlesbar ist.

Systemische Vorgehensweisen wie: Konnotation; Reframing; Ressourcensuche –und Markierung; der Gebrauch von Metaphern; die mehrgenerationale Betrachtung finden auch Eingang in die Berichterstattung, und vertiefen den bis dahin erlebten und erfahrenen Prozess. Daneben wird – soweit feststellbar – über Risikofaktoren und Kindeswohlgefährdung geschrieben und auch dies besprochen.

Berichterstattung ist ein transparenter Prozess, der mit einer Vorbesprechung beginnt, dann in einem Entwurf den KlientInnen schriftlich vorgelegt wird, um diesen gemeinsam zu besprechen, zu klären, zu ergänzen, möglicherweise zu korrigieren, um eine gemeinsame Endfassung herzustellen.

Die dadurch gegebene intensive Bilanzierung des Verlaufs, die deutliche Markierung dessen, was war, ist und sein könnte, erweitert das Selbstverständnis und gibt dem Erlebten eine deutliche Chronologie. So entsteht ein Bericht in Bezug zu den KlientInnen – nicht ein Bericht über die KlientInnen.

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass die gemeinsame Arbeit am Bericht in beeindruckender Art wirkungsvoll ist. Diese Berichterstellung ist anregend und initiiert vielfach positive Veränderungen. Die Rückmeldungen der KlientInnen belegen dies immer wieder.

Darüber hinaus hat dies auch positive Auswirkungen auf die Hilfeplangespräche: die KlientInnen sind meist gut eingestimmt und zum Konsens bereit, denn den vorhergehenden Bericht haben wesentlich sie selber geschrieben.